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Die Resilienz ländlicher Räume in Krisenzeiten

Das Coronavirus (COVID-19), die gesetzten Maßnahmen und deren Auswirkungen aus räumlicher Perspektive

Zum Problem

Das Coronavirus sorgt aktuell in Europa, aber auch in vielen anderen Regionen der Welt für einen Stillstand in Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Krise erinnert stark an die Finanzkrise 2007/08, übertrifft diese jedoch bereits jetzt bei Weitem. Die Auswirkungen von COVID-19 beschränken sich nicht nur auf den Bankensektor oder Teile der Wirtschaft, sondern es deutet sich eine multiple Krise an. Wirtschaft und Gesellschaft sind davon gleichermaßen betroffen, da ebenso mit einem Einbruch der Nachfrage und enormen Sozialkosten zu rechnen sein wird.

Entwicklung des Deutschen Aktienindex (DAX)

Engpässe

Besonders problematisch sind dabei jedoch die Engpässe in der Grundversorgung der Bevölkerung. Die Anlieferung von Lebensmitteln und Medikamenten ist ins Stocken geraten. Gerade sind es Medikamente, welche in Asien und Indien, in den sogenannten „Hotspots“ des Coronavirus produziert werden. Aufgrund der aktuellen Ereignisse laufen Schiffe nicht mehr aus, Flugzeuge bleiben am Boden, Landesgrenzen werden geschlossen, die LKW Flotten stauen sich an den Grenzen kilometerweit. Ganz ähnlich verhält es sich bei der außerregionalen Produktion von Lebensmitteln. Die Regale in den Supermärkten leeren sich, Hamsterkäufe beschleunigen die Situation. Die Globalisierung ist wie 2008/09 wieder einmal an ihre Grenzen gekommen. Die beinahe perfekt durchdachten Logistikkanäle erodieren und sind in Teilen sogar gekappt.

Wäre nicht genau jetzt der richtige Zeitpunkt, das aktuelle Produktions- und Logistiksystem in Frage zu stellen. Wäre es nicht logischer, Produkte der Grundsicherung (Lebensmittel und Medikamente) vor Ort zu produzieren, um damit das Versorgungsrisiko der Menschen in Österreich zu minimieren? Hätte die räumliche Nähe nicht auch seine Vorteile?

Standort

Der ländliche Raum wäre zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung genau die richtige Raumkategorie. Die regionale Lebensmittelproduktion ist bereits in Teilen vorhanden. Diese müsste lediglich in eine höhere Stufe weiterentwickelt werden. Gewerbeflächen sind verfügbar, die Bodenpreise niedrig und Arbeitskräfte vorhanden. Eine Ansiedelung entsprechender Betriebe könnte der Peripherie einen Aufschwung bringen, und damit qualifizierte Zuwanderung aber auch Rückwanderung fördern. Ein positiver Wirtschaftskreislauf wird damit geschaffen. Dies hätte den Vorteil, dass die Regionalentwicklungsfonds nach und nach reduziert werden könnten, da die Gebiete wieder sich selbst tragen. Die Menschen in ländlichen Regionen hätten wiederum eine neue Perspektive und die mentale Einstellung zur Region würde steigen. Eine ausgewogene Landesentwicklung wäre durch ein solches Standortkonzept realisierbar.

Perspektiven

Der ländliche Raum, sprich die lokale Ebene, würde in so einem Standortmodell als Stabilisierungsfaktor für die übergeordnete nationale und mondiale Ebene dienen. Ein höherer Grad an Eigenständigkeit könnte geschaffen werden. Ein stabileres, da auf endogenen Wachstumsfaktoren basierendes, qualitatives Wachstum wäre generierbar. Nicht nur rein die Kostenstruktur dürfte dabei im Fokus der Betrachtung stehen, sondern auch die dadurch geleistete Versorgungssicherheit durch räumliche Nähe müsste mit einem Preis und damit einem Nutzen eingerechnet werden. Eine solche Sichtweise und ein solches Konzept gibt es bisher in der Regionalentwicklung nicht. Die finanziellen Ausgaben für ein solches Vorhaben müssten ebenso als Investitionen in einen Lebensraum und als aktive Zukunftsgestaltung verstanden werden.

Schlussbetrachtungen

Die Resilienz ländlicher Regionen in Krisenzeiten zeigt sich gerade wieder einemal deutlich. Der ländliche Raum mit seinem geringeren Integrationsgrad in die Globalisierung erweist sich als stabilisierender Faktor. Durch eine Weiterentwicklung lokaler Potentiale sowie in Kombination durch die Ansiedelung neuer moderner Produktionsbetriebe, könnte ein höherer Grad an Eigenständigkeit und Selbstständigkeit erreicht werden. Der ländliche Raum könnte essentielle Ergänzungsfunktionen für die Zentren erbringen und darin seine neue Aufgabe finden.

Quelle: Zametter (2017): Entwicklungspotentiale peripherer Regionen im Alpen-Adria Raum: Diskutiert am Fallbeispiel Politischer Bezirk Hermagor. Dissertation. Universität Klagenfurt. Geographie und Regionalforschung.



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