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DER SIEGESZUG DER GEWERBEPARKS

9. September 2020

Für die Region Hermagor stellen die geplanten Gewerbeparks eine große Chance dar. Einerseits haben die kleinen Gemeinden Partizipationsmöglichkeiten bei einem größeren Vorhaben, da interkommunal ausgestaltet und andererseits sind dringend neue Innovationen und Visionen für die Region notwendig. Solche Vorhaben begünstigen Interaktion und damit Wissensaustausch. Entscheidende Kriterien für eine effektive Regionsentwicklung.

Die WOCHE sprach mit zwei Regionalforschern über die wirtschaftliche Entwicklung im Gailtal. Von Daniel Jamritsch GAILTAL.

Das Gailtal erlebt derzeit einen regelrechten Gewerbepark-Boom. Neben der geplanten Gewerbezone Ost in Hermagor sind Gewerbeflächen auch in Waidegg, Tröpolach, Kötschach-Mauthen und Lassendorf in Nutzung oder in Planung, um heimische Unternehmen und Gründungen zu unterstützen.

Abwanderung stoppen

„Lange Zeit hatte für die Stadtgemeinde die Entwicklung des Tourismus die höchste Priorität“, erklärt Markus Jamritsch, Geograph mit Schwerpunkt Regionalentwicklung. Doch nun sei es höchste Zeit für ein zweites Standbein, findet auch Regionalforscher Thomas Zametter: „Wir brauchen in der Region dringend neue Arbeitsmöglichkeiten alternativ zum Tourismus.“ Hermagor zähle zu den stärksten Abwanderungsbezirken und habe eine hohe Auspendler-Quote, so die Regionalforscher unisono. Im Entwicklungsleitbild wurde darum schon im Jahr 2007 die Errichtung von Gewerbeparks empfohlen. Erklärtes Ziel dabei: Betriebe ansiedeln, Arbeitsplätze schaffen und Abwanderung stoppen.

Regionale Arbeitsplätze

Nach mehr als einem Jahrzehnt der Vorbereitung nehmen die Maßnahmen gegen die demographische Negativspirale nun Form an: 30.000 Quadratmeter Fläche werden der regionalen Wirtschaft ab 2022 in Hermagor zur Verfügung stehen. Positiv sei, dass bereits durch die Erschließung der Flächen regionale Arbeitsplätze gesichert sind, so Zametter. Jamritsch warnt jedoch vor dem Szenario, in dem die Gewerbezonen nicht zur Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten, sondern lediglich zur örtlichen Verlegung von bereits bestehenden Arbeitsplätzen innerhalb des Bezirks führen könnten.

Erneuerbare Energien

Darüber hinaus sei auch die mit der Errichtung verbundene Bodenversiegelung ein Thema, laut Umweltorganisationen ein zunehmendes Umweltproblem. Eine Möglichkeit bestehe darin, den Gewerbepark Ost als klimaneutralen Businesspark zu konzipieren und den versiegelten Boden an anderer Stelle wieder frei zu machen, rät Zametter. Auch Jamritsch plädiert für einen umweltschonenden Umgang: „Eine Chance liegt darin, Entwicklungen im Bereich erneuerbarer Energien mit der Ressource Holz zu forcieren.“ Gelingt es der heimischen Politik und den Unternehmen, diese zukunftsweisenden Aspekte umzusetzen, dann könnte der Gewerbepark-Boom nicht nur der Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung in der Region zuträglich sein, sondern auch in Sachen Umwelt- und Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen.

ZUR SACHE

Markus Jamritsch (33) aus Hermagor forschte 2013 zur Regionalentwicklung in Hermagor, derzeit in Mödling als Geographie-Lehrer tätig.

Thomas Zametter (41) aus Reisach, Geograph und Regionalforscher, forscht derzeit am Fachhochschul-Standort Villach zum demographischen Wandel in Kärnten.

Quelle: https://www.meinbezirk.at/hermagor/c-wirtschaft/der-siegeszug-der-gewerbeparks_a4221945#gallery=null

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