Zum Inhalt springen

STADTERNEUERUNG DIE KREATIVE KLASSE

Stadterneuerungsstrategien sind aktuell Teil der neuen EU-Raumentwicklungsstrategie. Diese Logik hat den Hintergrund, dass nach Wachstumsstrategien und sogenannten „kreativen Output“ Ausschau gehalten wird. Aber was ist das? Wie kann ein solcher Output generiert werden? Sind dazu nur Städte in der Lage?

ZUM INHALT

Städte stehen vor der großen Herausforderung, eine Kultur zu entwickeln, die Synergien zwischen öffentlichen und privaten Akteuren schafft. Solche Synergien werden immer wichtiger, da dort ansässige Unternehmen gefördert werden müssen. Solche Förderungen sind jedoch nicht nur zwingend direkt möglich, wie z.B. in Form von Steuererleichterungen oder Ansiedelungshilfen, sondern auch indirekt über die Stadtgestaltung. Aktuell besteht die Strategie darin, Städte bzw. Areale in Städten in besonders kreative Zonen umzuformen. Dort treffen sich innovative Menschen, die sogenannte „kreative Klasse“, wie Richard Florida diesen speziellen Gesellschaftstyp bezeichnet. Von dieser kreativen Klasse gehen vielseitige Innovationen und damit Entwicklung aus. 

Wie könnte ein solches Umfeld jetzt aussehen, welches die kreative Klasse unterstützt und demgemäß mehr Innovationen produziert?

Beispiele einer solchen Smart Specialization Strategy finden sich beispielsweise in Villach in Form des „Offenen Technologielabors“ OTELO oder auch durch das zur Verfügung stellen von Co-Working Spaces. Auch sogenannte Denkfabriken „Think-Tanks“ können ähnliche Kräfte entwickeln und maßgeblich zur Entwicklung vor Ort beitragen. Dort können sich Entrepreneure (Wissenschaftler*innen, Künstler*innen, Wirtschaftstreibende, Student*innen oder auch Arbeitslose usw…) ausprobieren und ihre Ideen erstmals testen. Auf ein offenes und freundliches Klima wird großer Wert gelegt. Dieses stellt den bestimmenden Erfolgsfaktor eines solchen Vorhabens dar. Ein Umfeld, welches Probieren und Spielen erlaubt! Es gibt keine hierarchischen Ebenen und auch keine festgesetzten Ziele.  

Ein weiteres Beispiel in Villach an der Fachhochschule sind die Gründergaragen aus ehemaligen Schiffscontainern. Dort können junge kreative Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, unter dem Deckmantel und mit der Unterstützung der Fachhochschule. Die Gründergaragen sind als „smart laps“ konzipiert und bieten dadurch bereits ein kreatives Ambiente. Man wird Teil des Technologieparks Villach (TPV) und versucht so neue Netzwerke zu finden.

Ein anderes Beispiel ist in Villach die Ackerbox. Sie ist ebenfalls als upgecycelter Container im Einsatz und ermöglicht ein Einkaufen lokaler Produkte rund um die Uhr. Die Container können auf einer einfachen Konstruktion stehen, verursachen demgemäß keinen Bodenfrass und sind beliebig im Stadtgebiet platzierbar. So bezieht die Stadt das Umland und den ländlichen Raum in Form der beteiligten Lebensmittelproduzenten in die eigene kreative Stadterneuerung mit ein. Eine Win-Win Situation entsteht zwischen Stadt und Land!

In Villach am Bahnhof finden sich bunte Zebrastreifen, ebenso hängen in der Lederergasse bunte Schirme. Dies erzeugt ein offenes und liberales Klima durch Symbolik und den Einsatz von bestimmten Farben. Die Stadt Villach möchte sich damit weltoffen präsentieren. Dies ist auch dringend notwendig, ist Villach doch Fachhochschulstandort und ebenso auf internationale Spitzenkräfte angewiesen. Ein erheblicher Teil dieser Spitzenkräfte entstammt der weiter oben diskutierten kreativen Klasse. Diversity Management und Stadterneuerung, in Kooperation mit dem Stadtmarketing, so kann eine Umfeld Strategie lauten.

Radenthein wurde als alter ehemaliger Bergbauort in die moderne „Einkaufsstadt“ Granatium umgewandelt durch genau solche Maßnahmen. Durch kreative Weise werden die lokalen Gegebenheiten in Entwicklungspotentiale, durch Kombination mit innovativen Elementen, gefördert. Ein neuer Entwicklungspfad hat sich aufgetan mit noch ungenutzten Entwicklungsmöglichkeiten. Ausgegangen ist die Initiative von innovativen Bürger*innen. Diese haben die Entwicklung des Ortes in die eigene Hand genommen. Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt.

Ein letztes Beispiel in diesem Blog ist Bleiburg. Dort etabliert sich die Kunstszene immer stärker. Die Stadtentwicklung und gerade die Gestaltung des Hauptplatzes mit dem Werner Berg Museum als Zentrum, sorgen für Belebung. In der unmittelbaren Nachbargemeinde findet sich ein Technologie Weltmarktführer. Insgesamt entsteht dadurch ein stimmiger Mix aus einem liberalen und kreativem Umfeld, geprägt durch Kunst, Kreativität und Hightech. Dies führt mitunter dazu, dass Bleiburg eine positive Bevölkerungsentwicklung verzeichnen kann und ceteris paribus dies auch so bleiben wird.

Weitere Beispiele sind überall in Kärnten, auch in ländlichen Gebieten, jedoch noch ungebündelt, zu finden. Gerade Regionen, die nach Innovationen suchen, können von den genannten Beispielen Anleihen nehmen, wie ein kreatives Umfeld gestaltet werden kann. Die Kreativwirtschaft könnte auch in diesem Raumtyp Entwicklungsimpulse geben, wenn entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ein erster Schritt könnte die proaktive Überwindung der noch vielerorts vorherrschenden klassischen, aus dem 20. Jahrhundert stammenden Politik- und Industriegesellschaft, sein. Die Schlüsselelemente sind auch mit wenig Aufwand und Ressourcen aktvierbar. Flache Hierarchien, hohe Beteiligungsformen, ein hohes Maß an Souveränität und Selbstverantwortung, Bildung- und Ausbildung, digitale Kompetenzen, Teilhabe etc. können an jedem Ort, in Stadt oder auch Land etabliert werden.    

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.